Bei Airfryern unterscheiden sich auch die möglichen Höchsttemperaturen deutlich. Manche Geräte enden bei 200 Grad, andere erreichen 220, 230 oder sogar bis 240 °C. Für die Kaufentscheidung stellt sich deshalb eine naheliegende Frage: Bringen höhere Temperaturen tatsächlich einen Vorteil – oder reichen 200 °C für die meisten Anwendungen aus?
Inhalt
Wir haben die angegebenen Höchsttemperaturen von 129 Airfryer-Varianten ausgewertet und zusätzlich geprüft, wofür Hersteller besonders hohe Temperaturen überhaupt einsetzen.
Welche Höchsttemperatur sollte ein Airfryer haben?
Für die meisten typischen Airfryer-Anwendungen sind 200 °C ausreichend.
Das zeigen auch die Zubereitungsempfehlungen von Philips: Frische und tiefgekühlte Pommes werden beispielsweise bei 180 °C, Hähnchenflügel bei 180 °C, Schweinefilet bei 200 °C und Lachs ebenfalls bei 180 °C zubereitet. Eine Höchsttemperatur oberhalb von 200 °C ist deshalb nicht automatisch notwendig. Vor allem, weil die Regel eher ist, dass ein Airfryer eine kleinere Gradzahl benötigt als der Backofen. Das wiederum bedeutet der Airfryer benötigt eigentlich eine geringere Gradzahl als der Backofen, das lässt sich auch auf den Zubereitungslisten der Tiefkühlprodukte erkennen. Also wofür genau sind diese möglichen Höchsttemperaturen? Interessant wird sie vor allem für spezielle Hochtemperaturprogramme, bei denen Lebensmittel in kurzer Zeit besonders stark gebräunt oder knusprig werden sollen. Einige Hersteller preisen damit Temperaturen bis 240 °C an.
Wie viele Airfryer erreichen mehr als 200 °C?
Für unsere Auswertung konnten wir bei 129 Airfryer-Varianten eine verwertbare Höchsttemperatur ermitteln.
Davon erreichen:
- 128 mindestens 200 °C
- 43 mindestens 220 °C
- 36 mindestens 230 °C
- 12 mindestens 240 °C
📊 Datentabelle: Airfryer nach erreichter Höchsttemperatur (Details anklicken)
| Höchsttemperatur mindestens (°C) | Geräte | Anteil (%) | Ausgewertete Varianten |
|---|---|---|---|
| 200 | 128 | 99.20 | 129 |
| 220 | 43 | 33.30 | 129 |
| 230 | 36 | 27.90 | 129 |
| 240 | 12 | 9.30 | 129 |
Die Werte sind kumulativ. Ein Airfryer mit einer Höchsttemperatur von 240 °C wird deshalb auch bei 200, 220 und 230 °C mitgezählt. Der Unterschied ist deutlich: 200 °C sind in unserem Datensatz praktisch Standard. Temperaturen ab 220 °C kommen dagegen bei wesentlich weniger Varianten vor.
Für die Kaufentscheidung ist deshalb vor allem interessant, ob diese zusätzlichen 20 bis 40 Grad tatsächlich benötigt werden. Denn reichen einem 200 Grad, hat man mindestens 128 Geräte zur möglichen Auswahl. Will man allerdings unbedingt mehr als 240 Grad, so schränkt sich die Auswahl extrem stark auf 12 Varianten ein. Und genau deshalb ist es wichtig zuvor zu entscheiden, ob man diese überhaupt benötigt.
Reichen 200 °C für typische Airfryer-Gerichte?
Für Pommes, Gemüse, Fleisch oder Fisch spricht wenig dafür, eine Höchsttemperatur oberhalb von 200 °C grundsätzlich vorauszusetzen.
Philips nennt beispielsweise folgende Einstellungen für typische Gerichte:
| Anwendung | Beispieltemperatur |
|---|---|
| Frische Pommes | 180 °C |
| Tiefgekühlte Pommes | 180 °C |
| Hähnchenflügel | 180 °C |
| Schweinefilet | 200 °C |
| Lachs | 180 °C |
Das bedeutet nicht, dass jedes Gericht bei diesen Temperaturen optimal gelingt. Garzeit, Menge, Luftführung und das jeweilige Gerät spielen ebenfalls eine Rolle. Diese direkten Beispiele bzw. Empfehlungen zeigen aber: Ein Airfryer muss nicht 230 oder 240 °C erreichen, um typische Airfryer-Gerichte zubereiten zu können.
Was bringen denn dann 220, 230 oder 240 °C?
Höhere Temperaturen können interessant sein, wenn Lebensmittel in kurzer Zeit besonders stark gebräunt und knusprig werden sollen.
Ein gutes Beispiel dafür ist Ninjas Funktion Max Crisp.
Beim Ninja AF160 nutzt die Funktion Max Crisp ein Maximum von 240 °C. Der Hersteller empfiehlt die Funktion insbesondere für vorverpackte Tiefkühlprodukte wie Pommes oder Chicken Nuggets und weist darauf hin, dass die Lebensmittel aufgrund der höheren Temperatur schneller garen, aber auch häufiger kontrolliert werden sollten. Ähnlich beschreibt Ninja die Funktion bei seinen Dual-Zone-Modellen: 240 °C sollen insbesondere kleine Mengen panierter oder frittierter Tiefkühlprodukte schnell knusprig machen. Damit haben 240 °C durchaus einen praktischen Anwendungsfall. Der entscheidende Unterschied lautet aber: 240 °C sind eine zusätzliche Möglichkeit – nicht die Voraussetzung für normales Heißluftfrittieren. Wer hauptsächlich Pommes, Gemüse, Fleisch oder Fisch zubereitet, sollte deshalb aber nicht allein aufgrund einer höheren Maximaltemperatur zu einem bestimmten Gerät greifen. Außer gegebenenfalls man möchte denn doch ein wenig Zeit sparen können.
240 °C bedeutet nicht automatisch 240 °C beim normalen Airfrying
Bei Produktangaben wie „40 bis 240 °C“ lohnt sich ein genauerer Blick. Die maximale Temperatur kann nämlich an ein bestimmtes Programm gebunden sein. Beim Ninja AF160 sind 240 °C ausschließlich für Max Crisp vorgesehen. Für die übrigen Funktionen liegt die maximale Temperatur bei 200 °C. Beim Ninja AF300 sieht es ähnlich aus:
- Max Crisp: 240 °C
- Luftfrittieren, Braten, Aufwärmen und Backen: maximal 210 Grad.
Es gibt allerdings auch andere Konstruktionen. Beim Ninja Foodi FlexDrawer AF500 reicht beispielsweise auch die eigentliche Air-Fry-Funktion von 150 bis 240 °C.
Eine Höchsttemperatur von 240 °C auf dem Datenblatt sagt deshalb allein noch nicht, wie diese Temperatur im Alltag genutzt werden kann.
Für die Geräteauswahl sollten drei Fragen getrennt betrachtet werden:
- Wie hoch ist die angegebene Höchsttemperatur?
- In welchem Programm steht sie zur Verfügung?
Gerade der zweite Punkt geht bei einem einfachen Vergleich der Temperaturbereiche leicht verloren.
Was ist mit Backofenrezepten bei 220 °C?
Eine Angabe von 220 °C im Backofenrezept bedeutet nicht automatisch, dass auch der Airfryer 220 °C erreichen muss. Denn das ist der Vorteil der Heißluftfritteusen, sie besitzen einen wesentlich kleineren Garraum und bewegen heiße Luft direkt um die Lebensmittel. Deshalb werden Backofenrezepte häufig mit reduzierter Temperatur übernommen. Das zeigt auch unser Artikel zu der Frage Wieviel Leistung sollte ein Airfryer haben, der die Leistung in Watt zum Garraum statistisch auswertet, wodurch klar wird dass Airfryer mit kleineren Volumen überwiegend eine höhere Leistung pro Liter Volumen aufweisen.
Eine universelle Umrechnung gibt es allerdings nicht einmal unbedingt bei den Herstellern. Ninja empfiehlt beispielsweise beim Foodi FlexDrawer AF500, bei der Übertragung eines konventionellen Backofenrezepts die Temperatur um 10 °C zu reduzieren. Für den Ninja AF180 dagegen weicht der Wert stark ab und der Hersteller nennt eine Reduzierung um 40 °C. Das zeigt, warum eine pauschale Formel problematisch ist. Wer beispielsweise ein Backofenrezept mit 220 °C zubereiten möchte, sollte deshalb nicht allein daraus schließen, dass ein Airfryer ebenfalls mindestens 220 °C erreichen muss. Sinnvoller ist es, die Empfehlungen des jeweiligen Geräts zu verwenden und Garzeit sowie Bräunung während der Zubereitung zu kontrollieren.
Worauf sollte man beim Kauf also achten?
Für die meisten Nutzer ist dementsprechend eine Maximaltemperatur von 200 °C kein entscheidender Nachteil sein. Typische Airfryer-Anwendungen finden überwiegend in diesem Temperaturbereich oder darunter statt.
240 °C sind vor allem dann interessant, wenn ein Gerät gezielt Hochtemperaturfunktionen wie Max Crisp anbietet und solche Funktionen tatsächlich genutzt werden sollen. Es spart überwiegend nur wenige Minuten Zeit. Außer es ist von hoher Relevanz beispielsweise Pommes etwas krosser in kürzerer Zeit zu bekommen.
Die Höchsttemperatur sollte deshalb nicht isoliert betrachtet werden:
Ein Airfryer mit 240 °C ist nicht automatisch vielseitiger als ein Gerät mit 200 °C. Entscheidend ist, welche Temperaturen in den jeweiligen Programmen tatsächlich nutzbar sind.
So haben wir ausgewertet
Für 129 Varianten liegt eine verwertbare und verlässliche Angabe zur Höchsttemperatur vor. Einträge ohne gültige Höchsttemperatur wurden von dieser Auswertung ausgeschlossen. Für jede Temperaturschwelle wurde geprüft:
angegebene Höchsttemperatur ≥ Temperaturschwelle
Die Ergebnisse sind deshalb kumulativ. Ein Gerät mit 240 °C wird beispielsweise sowohl bei 200 als auch bei 220, 230 und 240 °C gezählt. Modell- und Farbvarianten werden einzeln gezählt. Außerdem zeigt die Auswertung ausschließlich die angegebene maximale Temperatur. Ob diese Temperatur im normalen Air-Fry-Modus verfügbar ist, nur in einem speziellen Programm genutzt werden kann oder frei einstellbar ist, lässt sich aus diesem Datenfeld nicht ableiten.
